Wie verändert die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems die gesundheitliche Lage geflüchteter Menschen in Europa? Wo könnten neue Versorgungslücken entstehen? Und wie lässt sich frühzeitig erkennen, wo Risiken für gesundheitliche Chancengleichheit liegen?

Mit einem Workshop zu diesen Fragen wird PROTECT.Ing auf der 19. European Public Health Conference vertreten sein. Die Konferenz findet vom 11. bis 13. November 2026 in Bilbao, Spanien, statt. Der aus dem PROTECT.Ing-Projekt heraus entwickelte Workshop wurde nun für das Konferenzprogramm angenommen. Sein Titel lautet: „Implementing the EU Pact on Migration and Asylum: Implications for European Public Health“ („Umsetzung des EU-Migrations- und Asylpakts: Bedeutung für Public Health in Europa“).

Der EU-Migrations- und Asylpakt soll das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) neu ordnen. Was das konkret für die Gesundheitsversorgung bedeutet, entscheidet sich jedoch nicht nur in Gesetzen, sondern vor allem in der praktischen Umsetzung: Was passiert, wenn geflüchtete Menschen bei Behörden oder in Aufnahmeeinrichtungen Unterstützung suchen? Erhalten sie adäquaten Zugang zu gesundheitlicher Versorgung? Können begonnene Behandlungen bei Transfers fortgeführt werden? Und sind besonders vulnerable Gruppen ausreichend geschützt?

Diese Public-Health-Perspektive steht im Mittelpunkt des Workshops. Anhand von Beispielen aus Finnland, Deutschland und Griechenland diskutieren die Beteiligten, wie die Reformen in unterschiedlichen nationalen Aufnahme- und Gesundheitssystemen umgesetzt werden.

Für PROTECT.Ing sind Andreas W. Gold und Prof. Dr. Kayvan Bozorgmehr an dem Workshop beteiligt. Andreas W. Gold bringt die deutsche Perspektive ein und beleuchtet insbesondere mögliche Auswirkungen der GEAS-Reform auf vulnerable geflüchtete Menschen. Prof. Dr. Kayvan Bozorgmehr übernimmt gemeinsam mit Katri-Leena Mustonen vom Finnish Institute for Health and Welfare die inhaltliche Leitung und Moderation des Workshops.

Die Länderperspektiven werden durch Einschätzungen von Akteur:innen auf europäischer Ebene und seitens der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergänzt. In der anschließenden Diskussion geht es auch darum, welche Folgen für die Gesundheitsversorgung während der Umsetzung besonders aufmerksam beobachtet werden sollten. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Frage, wie Monitoring helfen kann, Risiken für Versorgungskontinuität und gesundheitliche Chancengleichheit frühzeitig zu erkennen.

So soll der Workshop dazu beitragen, länderübergreifende Lehren für eine evidenzbasierte Umsetzung des EU-Migrations- und Asylpakts zu formulieren – mit Relevanz für Forschung, Praxis und Politik auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene.